Traumjob Wissenschaftlerin

Hochschulkarrieren von Frauen – gehört hinter den „Traumjob Wissenschaftlerin“ ein Fragezeichen oder ein Ausrufezeichen? Ganz klar ein Ausrufezeichen! Wenn frau sich an der Hochschule etabliert hat.

Wie sieht der Weg zur Professur für Frauen aus? Warum schlagen ihn noch zu wenige Frauen ein? Welche kulturellen Muster der Institution Hochschule behindern Frauen? Welche aktuellen hochschul- und gesellschaftspolitischen Diskussion überlagern die Karrierewege von Frauen an Hochschulen? Zu diesen und weiteren Fragen hatte die GEW im November 2005 Hochschul- und Frauenforscherinnen eingeladen und mit Beschäftigten und Studentinnen sowie Frauenbeauftragten an Hochschulen ins Gespräch gebracht.

Im folgenden wird der Diskussionsstand der Veranstaltungsteilnehmerinnen zu verschiedenen Aspekten des Traumjobs Wissenschaftlerin aus Sicht von Frauen dargestellt.

1. Organisation und Kultur

Frauen, die Wissenschaft als Beruf betreiben wollen, sehen sich mit strukturellen und kulturellen Barrieren konfrontiert. Dies werden viele Frauen aus ihrer Erfahrung in ihrer persönlichen Karriere, aber auch in ihrer Tätigkeit als Gleichstellungsbeauftragte bestätigen. Denn nicht zu vergessen: die Zahl der Frauen in Führungspositionen in der Wissenschaft ist nach wie vor alarmierend gering. Für die Eröffnung neuer Handlungsmöglichkeiten und -strategien sowie für konstruktive Denkanstößen auf dem Weg zur Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Wissenschaft sind Zahlen alleine nicht genug – hier ist die kritische Reflektion der Organisation Hochschule und der verschiedenen Fachkulturen unter Genderaspekten gefragt, und zwar auf der Grundlage von wissenschaftlichen Untersuchungen zur Situation von Frauen im bestehenden kulturellen Umfeld von Hochschule und Forschung.

„Wissenschaftskultur und Geschlechterordnung“
Prof. Dr. Beate Krais, Technische Universität Darmstadt

„Fachkultur und Interdisziplinarität in Zeiten der Studienstrukturreformen“
Dr. Petra Lucht, Technische Universität Berlin

„Organisationale Optionen und Barrieren für Wissenschaftlerinnen-Karrieren in Hochschule und Forschung“
Prof. Dr. Aylâ Neusel, Universität Kassel

„Geschlechterkonstellationen in wissenschaftlichen Steuerungseliten“
Dr. Karin Zimmermann, Universität Dortmund

„Gender-Politik in der Max-Planck-Gesellschaft“
Karin Bordasch, Sprecherin des Arbeitskreises Gleichstellung der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin


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2. Qualität und Exzellenz

Transparenz von Qualitätskriterien ist eine wesentliche Voraussetzung, um in Aushandlungsprozessen Qualitätsverständnisse durchzusetzen, die gendersensitiv sind – und zwar in zweierlei Hinsicht: indem sie zum einen Gender als ein Qualitätskriterium integrieren; zum anderen indem sie herrschende Qualitätsvorstellungen auf ggf. männerbevorzugende Implikationen, z.B. quantifizierende Qualitätsverständnisse, hin befragen.

„Exzellenzdebatte, Qualitätsstandards und Bestenauswahl“
Dr. Peer Pasternack, Hochschulforschungsinstitut an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

„Qualität und Exzellenz im hochschulpolitischen Kontext“ – Bericht aus der Arbeitsgruppe 1
Dr. Anke Burkhardt, Hochschulforschungsinstitut an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


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3. Karrierewege und Lebensentwürfe

Der Karrierebegriff in der Wissenschaft – Wissenschaft als Lebensform – passt nicht mehr zu modernen Lebensformen, er grenzt Frauen aus. Aber es geht auch anders: Aufweichung des Mobilitätszwangs, horizontale Karrierewege und Dauerstellen neben der Professur sind nur einige Stichworte.

„Karrierewege und Lebensentwürfe in der Wissenschaft“
Dr. Heike Kahlert, Universität Rostock


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4. Familienfreundlichkeit und Gleichstellung

Familienpolitik hat Konjunktur, und man hört geradewegs das Aufatmen derjenigen,die meinen, dass die Frauenpolitik damit nicht mehr auf der Tagesordnung stünde. Zusätzlich werden Akademikerinnen unter Druck gesetzt, weil sie angeblich zu wenige Kinder gebären. Dass Familienfreundlichkeit von Hochschulen und Frauenförderung zusammengehören, ist Diskussionsstand unter Wissenschaftlerinnen, Gleichstellungsbeauftragten und Gewerkschafterinnen.

„Familienfreundliche Hochschule? – Familienfreundliche Hochschule!“
Dr. Ursula Kneer, Universität Flensburg


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5. Förderprogramme

Was bremst Frauen in ihrer wissenschaftlichen Karriere angesichts etablierter Gleichstellungspolitik und spezieller Programme zur Frauenförderung an Hochschulen? Wissenschafts- und hochschulinterne Traditionen und gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen sind die großen Stolpersteine im Vergleich zu den optimierbaren Aspekten von Frauenförderprogrammen.

„Programme zur Frauenförderung an Hochschulen: Speedway oder Sackgasse?“
Dr. Uta Schlegel, Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


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6. Gewerkschaftliche Aktionsfelder

Interessenvertretung für Beschäftigte steht im Zentrum gewerkschaftlichen Handelns. Damit Wissenschaft für mehr Frauen ein Traumjob wird, ist die GEW gesellschaftspolitisch, hochschul- und gleichstellungspolitisch aktiv.

„Traumjob Wissenschaftlerin – Karrierebedingungen für Frauen, Karriereverläufe und Kariereförderung“ – Konsequenzen für die GEW
Dr. Claudia Kleinwächter, GEW-Hauptvorstand, Frankfurt am Main


Download

Gewerkschaftstagsbeschluss 2005

 


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