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19.01.2012

Kolumbien: Das Morden geht weiter

Am Dienstag, den 17. Januar 2012 wurden der Gewerkschafter Mauricio Redondo und seine Frau Janeth Ordóñez Carlosama in ihrem Haus von zwei Männern erschossen. Das Paar hinterlässt fünf kleine Kinder. Die GEW ruft zu Spenden für die Waisen auf.

Es war kaltblütiger Mord: Am 17. Januar 2012 um 19.30 Uhr waren zwei Männer in das Haus des Ölarbeiters und Gewerkschaftsaktivisten Mauricio Redondo, 36, in Teteyé im kolumbianischen Department Putumayo eingedrungen und hatten ihn und seine Frau Janeth Carlosama mit mehreren gezielten Schüssen getötet. Nach ersten Berichten trugen die Killer Werksuniformen der lokalen Ölfirma „Empresa de Energía del Bajo Putumayo“ (EEEP). Mauricio Redondo war einer der Führer der Ölarbeitergewerkschaft 'Unión Sindical Obrera' (USO). Gemeinsam mit seiner Frau hatte er sich zudem in einer Bürgerinitiative für Menschen- und Gewerkschaftsrechte und Umweltschutz in der boomenden Öl- und Gasindustrie im Putumayo Becken im Südwesten Kolumbiens engagiert. Vier Tage vor dem Mordanschlag war Redondo zu einer Versammlung für Arbeitnehmerrechte und wirtschaftliche Forderungen in die Stadt Orito gefahren und hatte sich dort für öffentliche Protestaktionen ausgesprochen. „Erneut sind wir Zeugen für den hohen Preis, den engagierte Gewerkschafter in Kolumbien zahlen müssen, wenn sie sich für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen einsetzen,“ erklärte der Generalsekretär der Internationalen Chemie-, Energie- und Bergarbeiterföderation (ICEM), Manfred Warda, der sich zum Zeitpunkt des Attentats in Kolumbien aufhielt. „Gemeinsam mit der USO verurteilen wir den feigen Mordanschlag auf Mauricio Redondo und Janeth Ordóñez und fordern die kolumbianischen Ermittlungsbehörden auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen und zu bestrafen.“ Mauricio Redondo war Arbeitnehmer des Unternehmens P.E.I. Energy mit Sitz in Medellin, das in der Öl- und Gasförderung tätig ist. Er war Vorstandsmitglied der 220 Mitglieder zählenden USO-Lokalorganisation in Orito, von denen 40 Prozent beim staatlichen Konzern Ecopetrol und 60 Prozent bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt sind. Nur wenige Tage vor der Ermordung des Paares hatten drei weitere Gewerkschafter der USO - Manuel Coronado, José Socimo Erazo and Julio Vargas – Drohanrufe auf ihren Handys erhalten. Auch war eine Bombendrohung beim örtlichen USO-Büro in Orito eingegangen. Besonders abscheulich an diesem Verbrechen ist nach Meinung von Alberto Vanegas, dem Menschenrechtsbeauftragten im Vorstand des kolumbianischen Gewerkschaftsbundes CUT, dass die fünf Kinder der Opfer nun zu Waisen geworden sind. “Das ist es, was dieses Morden aus Kolumbien macht: Ein Land von Witwen und Waisen.“ Weltweit ist Kolumbien seit vielen Jahren das Land mit der höchsten Zahl ermordeter Gewerkschafter. Im vergangenen Jahr wurden mindesten 29 Gewerkschafter umgebracht - die Mehrheit davon Lehrerinnen und Lehrer. Mauricio Redondo und Janeth Ordóñez sind die ersten beiden Opfer im Jahr 2012. Die GEW will die fünf Kinder von Mauricio Redondo und Janeth Ordóñez unterstützen und ruft zu Spenden an den Heinrich-Rodenstein-Fonds auf.


Demonstration der kolumbianischen Ölarbeitergewerkschaft USO

Text: Manfred Brinkmann
Quelle: ICEM
Fotos: ICEM, Moir

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