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04.04.2011

Kindertagesstätte des Studentenwerks in Tübingen

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In der Kindertagesstätte des Studentenwerks in Tübingen werden die Eltern von Anfang an bei der Gestaltung des Bildungsbuches einbezogen. Außer themenbezogenen Elternabenden und Elternbriefen zum Thema Bildungsbuch erhielten die Eltern auch auch einen Fragebogen, mit dem sie den Kinderordner und die Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und Eltern bewerten konnten.

Beteiligung der Eltern/Bezugspersonen am Bildungsbuch

Im September 2006 starteten wir im Team mit einem pädagogischen Tag in die Arbeit mit dem Bildungsbuch. Die Eltern/ Bezugspersonen wurden an einem Elternabend darüber informiert. (Im Folgenden sind bei „Eltern“ andere Bezugspersonen mitgemeint).
Nachdem wir unsere ersten Erfahrungen mit dem Bildungsbuch (Kinderordner genannt) gesammelt hatten, beschlossen wir die Eltern mehr zu beteiligen. Im März 2008 fand ein Elternabend statt in dessen Rahmen eine Sammlung von Anregungen für den Kinderordner entstand. Diese wird seither mit einem einführenden Brief an alle neuen Eltern zu Beginn der Kita-Zeit ihres Kindes weiter gegeben. (siehe Anhang Elternbrief)
Im April 2010 haben wir eine Umfrage gemacht: „Wie finde ich/ finden wir die Zusammenarbeit zwischen Eltern und ErzieherInnen?“
Von 20 Kindern in Gruppe 3 haben wir für 16 Kinder von deren Eltern den Rücklauf bekommen. Insgesamt haben wir 21 Bögen ausgefüllt zurück bekommen. Davon wurden 5 Bögen von beiden Eltern gemeinsam ausgefüllt, 16 Bögen wurden einzeln ausgefüllt.

Unter anderem gab es folgende Punkte:

1. Mein/unser Einblick in die Arbeit mit den Kindern ist

sehr gut: 6 gut: 12 könnte besser sein: 3 schlecht: 0

- Könnte besser sein, ist aber nicht Eure Schuld
- Die Bilder und die Ordner gefallen uns!
- Ihr nehmt Euch immer Zeit um über etwas zu reden
- Mein Kind erzählt nicht viel – in „Tür- und Angel Gesprächen“ bleibt oft nicht viel Zeit über Aktivitäten zu sprechen. Schön wäre ab und zu eine Info an der Pinnwand – vielleicht muss ich aber einfach öfter nachfragen.
- Da ich nicht so oft in der Kita bin eher Austausch mit dem Partner und Elterngespräche – fühle mich trotzdem gut informiert.
- Mein Kind erzählt sehr selektiv. Schön finde ich die Doku-Wände. Allerdings komme ich beim Abholen selten ins Bauzimmer und sehe eigentlich nur die im Flur wenn Ihr beim Vesper seid.
- Könnte besser sein, liegt daran, dass ich einfach oft nur kurz da bin und wenig von Abläufen mitbekomme
-Gute Einsicht durch „Tür- und Angel“ Gespräche und Infoblätter


2. Durch den Kinderordner bekomme/n ich/wir Einblick, was mein/ unser Kind in der Kita beschäftigt, was es lernt und welche Entwicklung es macht

sehr gut: 11 gut: 6 könnte besser sein: 4 schlecht: 0

-Liefert interessante Momentaufnahmen/ Ausschnitte (Für Einblick in die Entwicklung im Ganzen für uns eher zweitrangig).
-Schaue ich mir sehr selten an
-Finde ich eine klasse Idee, da viel in der Kita passiert.
-Es gibt in der Kita kaum Gelegenheit, den Ordner in Ruhe anzuschauen
-Wo ist dieser Ordner?
-Ich lese ihn sehr selten und bin desto mehr überrascht von allem, was sich darin gesammelt hat.
-Ich finde es nicht gut, dass der Ordner übers WE mit nach Hause gegeben werden darf!
-Es liegt an mir. Ich habe bisher noch nie rein geschaut. Aber beim Geschwisterkind ist er noch immer hoch im Kurs und wird zu Hause 2x im Jahr angeschaut.
-Könnte besser sein, liegt daran, dass wir den Ordner noch nicht so häufig nutzen. Es ist prima, wenn wir nun die Möglichkeit haben den Ordner übers Wochenende mit zunehmen. Dann ändert sich das evtl.
-Ich finde den Ordner toll, habe aber in der letzten Zeit nicht mehr rein geschaut.
-Tolle und kreative Idee und Umsetzung

3. Ich/ wir kommen über den Kinderordner ins Gespräch mit meinem/ unserem Kind

sehr gut: 3 gut: 5 könnte besser sein: 8 schlecht: 3

-Für Gespräche über den Kitaalltag nur ergänzend
-Schlecht – mein Fehler.
-Schlecht, liegt am Kind, hat meist keinen Bock über Kita zu reden.
-Könnte besser sein, liegt vor allem an mir – der Ordner ist nicht so präsent.
-Wir nutzen die Gelegenheit eher selten.
-Ich gelobe Besserung. Wir sind beim Abholen immer etwas knapp.
-Nutze es sehr selten
-Könnte besser sein, liegt aber an mir – wir haben nie richtig Zeit für den Ordner
-Könnte besser sein – mein Kind möchte nicht immer mit mir darüber reden
-Ordner ist eher Zusatz zum Austausch mit dem Kind

4. Den Austausch mit dem/den Erzieher/innen über den Kinderordner finde/n ich/wir

sehr gut: 2 gut: 4 könnte besser sein: 6 schlecht: 3

-Bisher praktisch nicht thematisiert
-Ich habe glaube ich noch nie mit jemand von Euch über den Ordner gesprochen, aber es wäre glaube ich jederzeit möglich
-Schlecht – mein Fehler.
-Könnte besser sein, das liegt bestimmt stark an mir und meiner mangelnden Initiative
-Fand bisher nicht statt
-Bis jetzt habe ich von dem Ordner nichts gehört.
-Könnte besser sein, liegt vor allem an mir – der Ordner ist nicht so präsent.
-Kam kaum vor
-Ich glaube ich habe gar keine Erfahrung damit.
-Könnte besser sein, liegt an mir, könnte mich mehr damit beschäftigen.


5. Den Einblick in das Kitageschehen und die Arbeit mit den Kindern über die Wanddokumentationen im Flur und den Gruppenräumen finde/n ich/ wir:

sehr gut: 15 gut: 6 könnte besser sein: 0 schlecht: 0

-Auf jeden Fall spannend: vor allem, wenn Diskussionen aufgenommen worden sind und als Texte wiedergegeben!
-Schöne Erinnerungen und Bereicherungen der Erlebnisse der Kinder – offene Einblicke
-Macht total Spaß, die Photos aus dem Alltag zu sehen.
-Vor allem den Aha-Oha Effekt.
-Vielen Dank für Eure Mühe mit den Wanddokus. Ich finde sie sehr wertvoll – Bilder erklären oft mehr und sind einprägsamer als viele Worte


Kontakt

Kindertagesstätte des Studentenwerks
Wilhelmstraße 97
72074 Tübingen
 
Tel.: 07071/6878335
Fax: 256815
Email: E-Mail-Adresse

Leiterin: Gabriele Schlegl

 

Elternbriefe

Liebe Eltern!

In der Gruppe 3 bekommt jedes Kind einen Kinderordner.

Grundlage für die Arbeit mit diesem Ordner ist das Bildungsbuch. Das Bildungsbuch ist eine Methode zur Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen von Kindern. Sie wurde von einer pädagogischen Arbeitsgruppe innerhalb der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) entwickelt.

Für uns Fachkräfte gehört das regelmäßige Beobachten jedes Kindes im Kita-Alltag zu unseren Hauptaufgaben. Dies geschieht in einer Haltung der Wertschätzung und des Interesses am Tun Eures Kindes. Ziel ist es, Euer Kind in seinen Handlungen, und Empfindungen zu verstehen. Darauf beziehend versuchen wir Eurem Kind die für seine weiteren Entwicklungsschritte nötigen Impulse zu geben.

Zentrales Merkmal für die Arbeit mit dem Bildungsbuch beziehungsweise Kinderordner ist der Dialog auf allen Ebenen. Das bedeutet, dass wir uns über unsere Beobachtungen je nach Fähigkeit Eures Kindes mit ihm austauschen, also nachfragen, Interesse zeigen, Rückmeldung geben.
Der regelmäßige Austausch unter uns Fachkräften über verschiedene Beobachtungen verhilft zu einem breiter gefächerten Verstehen Eures Kindes und dient der Verständigung darüber welche weiteren Anregungen wir Eurem Kind geben können.
Über die Beobachtungen treten wir mit Euch als Eltern in Tür-und-Angel-Gesprächen und Entwicklungsgesprächen in den Dialog.

Einzelne Entwicklungs- und Lernwege Eures Kindes halten wir mit Hilfe von Photos und ergänzenden Beiträgen von Euren Kindern selbst diktiert oder von uns geschrieben fest. Diese Beiträge finden ihren Platz im Kinderordner. Ebenso ist es erwünscht, dass Ihr selbst Beiträge mit Eurem Kind einbringt. Dazu haben einige Kinder, deren Eltern und wir Fachkräfte Vorschläge gesammelt die Ihr in einem zweiten Brief erhaltet.

Einige wichtige Punkte für den Umgang mit dem Kinderordner:
·Alle Kinderordner stehen im Gruppenraum zugänglich
·Jedes Kind entscheidet selbst wer in seinen Ordner schauen darf, das heißt auch für Erwachsene, dass das Kind gefragt werden muss.
·Das Kind und eine Fachkraft entscheiden gemeinsam welche Beiträge in den Ordner kommen.
·Am Ende der Kitazeit bekommt das Kind den Kinderordner mit nach Hause.


Wir hoffen, dass der Kinderordner für Euch und Euer Kind eine wertvolle Begleitung während der Kitazeit darstellt und eine kostbare Erinnerung an Erlebtes, Gelerntes, Freudiges und Staunenswertes wird.
Wir sind jederzeit für weitere Gespräche oder Fragen zum Kinderordner bereit.

Die MitarbeiterInnen von Gruppe 3



Liebe Eltern!


Kinder, Eltern und ErzieherInnen haben sich jeweils in Kleingruppen Gedanken dazu gemacht, wie die Eltern an Beiträgen für die Kinderordner beteiligt werden können. Die entstandenen Fragestellungen haben sich in vielen Punkten überschnitten. Bevor im Folgenden alle Fragestellungen aufgeführt werden noch einige Gedanken dazu:

·Die Fragestellungen sollen als Anregungen verstanden werden. Es geht nicht darum, die Liste „abzuarbeiten“!
·Für jedes Kind kann eine andere Frage von Interesse sein, das ist sehr individuell.
·Es können auch Fragen / Beiträge entstehen die noch nicht in der nachfolgenden Auflistung enthalten sind.
·Die Beiträge für jedes einzelne Kind sehen daher ganz unterschiedlich aus – das ist auch so gewollt.
·Die Beiträge sollen nicht als „Wettbewerb“ verstanden werden, nach dem Motto: wer hat am meisten am schönsten am tollsten...
·Die Beiträge für die Kinderordner sollen in einem dialogischen Prozess zwischen Kindern und Erwachsenen entstehen.

Vielleicht gelingt es uns Erwachsenen uns auf diesen dialogischen Prozess einzulassen wenn wir uns mit der Haltung des Zitats von Erika Kazemi-Veisari auf den Weg machen:

„Ich sehe hin, ich höre zu, ich vertiefe mich in Deine Mitteilungen, denn ich interessiere mich dafür, was Du gerade erlebst oder erlebt hast, wie es Dir geht, wie Du etwas bewertest, was Du als gute Erfahrung aufbewahren und als schlechte vergessen willst, wie Du mit Dir in Deinem Leben zurecht kommst.“

Die Anregungen der Kinder, Eltern und Erzieherinnen können auch als Gesprächsanlässe oder zur genaueren Beobachtung dienen ohne dass daraus ein Beitrag für den Ordner entsteht.



Für Fragen, Kommentare und Anregungen stehen wir ErzieherInnen jederzeit zur Verfügung. Sprecht uns einfach an.


Das Team aus Gruppe 3 März 2008


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Eindruck einer Mutter

Ordnerhandhabe und Wanddokumentation in Gruppe 3 – persönliche Eindrücke
(von Aline Christ)

Während ich hier sitze um über einen Artikel für den Kitaflyer zu sinnieren, schieben sich dringende Überlegungen zur nächsten Seminarsitzung, ein unerledigter Text und die Einkaufsliste für das Wochenende in meine Gedanken. Typisch eigentlich, kommt doch in letzter Zeit oft die Gelegenheit zu kurz um in Ruhe über die Kinder nachzudenken, ihre Entwicklung, wo sie gerade stehen. Häufig müssen sie sich in die gleichen engen Zeitpläne pressen lassen, zu der mich die gegenwärtige Phase des Studiums zwingt.

Umso wichtiger wird die Kita hier für mich. Hier dreht sich alles um die Kinder – hier stehen sie im Mittelpunkt. Das merke ich schon, wenn ich die Räume zur Gruppe 3 betrete: Hier wuselt‘s und wurschtelt‘s, hier und dort zieren die neuesten kreativen Werke der Kinder die Wände – die Präsenz der Kleinen ist überall! Und nicht nur das: immer wieder sind kleine Fotoplakate von einzelnen Kindern an den Wänden und Schränken zu finden, immer bestückt mit einem Brief einer/s ErzieherIn an das Kind.

Neulich zieht mich meine Tochter an der Hand zu so einer bunten Kollage, auf der sie selbst zu sehen ist. Ich muss mich in die Hocke begeben um die Bilder betrachten zu können, denn sie sind in Augenhöhe meines Kindes angebracht. Und dabei erlebe ich etwas Erstaunliches: Indem ich mich auf die richtige Betrachtungshöhe begeben muss, verlasse ich gleichzeitig meine gewohnt gehetzte Erwachsenenperspektive und tauche für einen Moment in die Erlebniswelt meines Kindes ein. Während sie mir nun stolz davon erzählt, was ich auf den Fotos alles entdecken kann, höre ich ihr zu und bin ganz bei ihr. Ich höre was sie gespielt hat und mit wem, und was sie gerade beschäftigt. Dann lese ich den persönlichen Brief einer Erzieherin an mein Kind – und bin tief berührt: Aus dem Brief spricht so viel Achtung für diese „kleine“ große Persönlichkeit, Liebe und Respekt.

Ich merke unwillkürlich, dass ich nun Besucherin bin in der Welt meiner Tochter, dass sich ihr hier ein Raum anbietet, in der sie ihre Persönlichkeit erproben und frei entfalten kann. Und ich spüre die behutsame Unterstützung, die ihr dabei zu Teil wird. Allerdings bleibe ich nicht lange auf meinem „Beobachtungsposten“, denn immer wieder werde ich von den ErzieherInnen dazu aufgefordert, diesen Entwicklungs-raum mitzugestalten, indem ich selbst Briefe in den persönlichen Ordner meiner Tochter einbringe oder meine Gedanken, Eindrücke und Statements auf bunten Plakaten verewige.

So werde ich eingeladen teilzunehmen am Dialog und somit am kreativen Prozess der Begleitung, in deren Mittelpunkt meine Tochter hier stehen darf.
Wenn ich also wieder die Kitaräume – die Erlebnisräume meiner Tochter – verlasse und wieder an den Schreibtisch zurückgehe, bin ich total dankbar darüber, dass ich in meinem stressigen Alltag hier doch noch die Gelegenheit finde, immer wieder inne zu halten und für einen Moment die Perspektive zu wechseln. Und ich freue mich schon darauf, was ich so demnächst wieder in der Kita über meine Tochter entdecken und erfahren werde.
Juni 2010


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