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Geschlechterkonstellationen in wissenschaftlichen Steuerungseliten

Vortrag Dr. Karin Zimmermann, Universität Zimmemann – Zusammenfassung

von Frauke Gützkow, GEW-Hauptvorstand, Frankfurt am Main
29. Seminar der Frauen in Hochschule und Forschung am 12. November 2005 in Erkner


Karin Zimmermanns Beitrag befasste sich mit den Schnittstellen zwischen Wis-senschaft und Politik, diese Grenzgänge berühren auch das Elitethema. Sie bearbeitete unter drei Gesichtspunkten den Zusammenhang zwischen Frauenpolitik als Benachteiligtenpolitik einerseits und den Forderungen nach Elite und Exzellenz andererseits.

1. Forschungspolitik – Wie kommt Gender in den Mainstream?

Karin Zimmermann führt aus, dass die BuKoF bei der Berlinkonferenz zum Bolognaprozess im Jahre 2003 den Geschlechtergesichtspunkt thematisiert und im Abschlusskommunique verankert hat. Sie erinnerte daran, dass die Europäische Union 1996 einen Erlass zu Gender Mainstreaming gefasst hat, der Amsterdamer Vertrag von 1999 Gender Mainstreaming enthält und auch die europäische Forschungspolitik und die Forschungsprogramme mittlerweile die Aufforderung zur Berücksichtigen des Geschlechteraspektes enthalten. Die ETAN-Gruppe wurde eingerichtet, sie dient als politikberatendes Gremium.

Ergebnisse der Ursachenanalyse zur Benachteiligung von Frauen und zu den Mechanismen, die Männern Vorteile verschaffen, liegen vor. Zimmermann kommentiert die Entwicklung unter dem Gesichtspunkte der Effekte symboli-scher Gewalt nach Pierre Bourdieux.. Der Titel ihres Forschungsprojektes hieß "Vision und Mission: Die Integration von Gender in den Mainstream europäi-scher Forschung". Die Europäische Kommission hat Erfahrungswissen gesammelt, das man als Hilfestellung für die Politikgestaltung braucht. Damit das geschieht, ist weiterhin Lobbying erforderlich. Der Gender Mainstreaming-Ansatz wird mittlerweile auch zur Förderung von Exzellenz herangezogen.

2. Aufgeschlossenheit des deutschen Systems wissenschaftlicher Steuerung für Elite und Exzellenz

Elite und Exzellenzdiskurse hat Karin Zimmermann unter geschlechterpoliti-scher Aspekten in ihrer Habilitationsarbeit "Paradox der wissenschaftlichen Steuerungselite und die Ordnung der Geschlechter" sowie in der DFG-Studie "Von der Legitimationsfrau zur anerkannten Expertin? – Zur Konstruktion von Steuerungseliten im wissenschaftlichen Feld" (mit Sigrid Metz-Göckel) unter-sucht. Sie hat Fragebögen von Wissenschaftlerinnen, die in der Politikberatung tätig sind, daraufhin untersucht, inwieweit sie sich selbst der wissenschaftlichen Steuerungselite zuordnen, und inwieweit es Anerken-nungsdefizite gegenüber Frauen in der Wissenschaft gibt aufgrund von homosozialen und kulturellen Mustern.

Sie kommt zum Schluss, dass symbolische Gewalt strukturell wird und dass Wissenschaftlerinnen integrierte Außenseiterinnen im Wissenschaftssystem sind. Es gehe darum, Machtpositionen zu besetzen, an aktuellen wissenschaftspolitischen Diskursen teilzuhaben – die aktuelle Exzellenz und Elitede-batte sieht sie als Beispiel dafür.

3. Bedeutung der Schnittstelle Wissenschaft und Politik für Gewerkschafts- und Wissenschaftspolitik

Gleichstellungsbeauftragte an Hochschulen sind mit dem Problem konfrontiert, dass sie die vielfältigen Anforderungen (z.B. neue Steuerungsinstrumen-te) nicht alleine bewältigen können. Zimmermann bewertet dies als Effekt symbolischer Gewalt. Es entlaste zwar zu wissen, dass man die Probleme nicht allein lösen könne, Effekt sei jedoch, dass die Fraueninteressen nicht wirklich vertreten werden.

Lobbying und Interessenpolitik sei daher Aufgabe der Gewerkschaft.

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