11.10.2007

GEW: „Kein Grund zum Jubeln“

Bildungsgewerkschaft zum BA-Abschlussbericht des Ausbildungsjahres 2006/07

Frankfurt a.M. – „Der Abschlussbericht des Ausbildungsjahres 2006/07, den die Bundesagentur für Arbeit (BA) heute vorgelegt hat, ist wahrlich kein Grund zum Jubeln. Besonders besorgniserregend ist die Bugwelle der nicht versorgten Altbewerber, die sich Jahr für Jahr um einen Ausbildungsplatz bemühen. Trotz Ausbildungspakt und aller Versprechen von Wirtschaft und Politik gibt es viel zu wenige betriebliche Ausbildungsplätze. Es ist ein Skandal, dass nur 21 Prozent der Betriebe, die ausbilden könnten, Lehrstellen anbieten“, sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Donnerstag in Frankfurt a.M. Er wies darauf hin, dass mittlerweile rund 1,5 Millionen Menschen, die jünger als 25 Jahre sind, keine abgeschlossene berufliche Ausbildung haben.

„Die Wirtschaft ist in der Pflicht, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Zusätzlich muss das duale System der Berufsausbildung ergänzt werden“, unterstrich Thöne. Er schlug drei Maßnahmen vor, die im Interesse der Jugendlichen schnell umgesetzt werden sollten.

Erstens müssten sich Unternehmen zusammenschließen und gemeinsam Ausbildungsplätze anbieten. Zweitens müsse die Kooperation außerbetrieblicher Träger beruflicher Bildung mit den Ausbildungsbetrieben intensiviert und ausgebaut werden. „Drittens müssen mehr berufliche Schulen als bisher vollqualifizierende Ausbildungsgänge anbieten und in Kooperation mit den Unternehmen für die notwendigen Praxisanteile sorgen. Jugendliche weiterhin in Warteschleifen abzuschieben, die ihnen Lebenszeit rauben, aber keine anerkannten Qualifikationen bieten, ist kontraproduktiv“, hob Thöne hervor. Das 2005 novellierte Berufsbildungsgesetz eröffne Schulen die Möglichkeit, Ausbildungsgänge, die mit einer Kammerprüfung abschließen, anzubieten. „Der Staat muss einspringen, damit junge Menschen in Deutschland eine Zukunft jenseits von Hartz IV haben“, unterstrich der GEW-Vorsitzende. Er machte noch einmal auf die Kampagne von Schülervertretungen und Gewerkschaften aufmerksam, das Recht auf Ausbildung im Grundgesetz zu verankern.

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