Startseite


 
 
 
 
 
 
 
 
08.10.2007

GEW-Kita-Studie: Wie geht’s im Job?

Im Frühjahr 2007 ist im Auftrag des GEW-Hauptvorstandes eine Befragung von Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen (Kitas) durchgeführt worden. Fast 2000 Kolleginnen und Kollegen haben sich beteiligt. Die große Resonanz zeigt, dass es dieser Berufsgruppe unter den Nägeln brennt, über ihre Arbeitssituation und ihre Belastungen im Alltag zu reden – aber dass es ihnen nicht minder wichtig ist, die positiven Seiten ihres Berufs hervorzuheben.

Erzieherinnen und Erzieher können sich über vergleichsweise sichere Arbeitsverhältnisse freuen. Nur wenige sind prekär beschäftigt. Wenn Erzieherinnen einer befristeten Tätigkeit nachgehen, dann sind es vor allem – und dies ist die Kehrseite der Medaille – die jüngeren. Der Zugang zum Beruf ist für die nachfolgende Generation demnach deutlich erschwert worden. Nicht selten „hangeln“ sich die Jüngeren von einem befristeten Vertrag zum nächsten. Ihre Weiterbeschäftigung hängt von den Anmeldezahlen für das nächste Kindergartenjahr ab.

Die anspruchsvolle Tätigkeit wird nicht gerade üppig bezahlt. Erzieherinnen liegen mit ihrem Einkommen noch unterhalb der Verdienstmöglichkeiten in anderen, von Frauen dominierten Berufen wie Bürofachkräfte, Bankkauffrauen oder Einzelhandelskauffrauen. In den östlichen Bundesländern werden Erzieherinnen – und dies mehr als 15 Jahre nach der Wende – immer noch schlechter bezahlt als in den westlichen. In zweifacher Hinsicht benachteiligt sind befristet Beschäftigte: Sie müssen nicht nur um ihre berufliche Absicherung bangen, sondern auch geringere Gehälter in Kauf nehmen – und zwar unabhängig vom Alter. Etwas bessere Verdienstchancen haben Erzieherinnen lediglich in Leitungspositionen. Es erstaunt daher nicht, dass die Beschäftigten äußerst unzufrieden mit ihrem Einkommen sind.

Ein „Teilzeitberuf“?
Etwa die Hälfte der Befragten arbeitet in Teilzeit. Von sehr vielen scheint dies aufgrund ihrer familiären Lage so gewollt zu sein. Dennoch berichtet etwa ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten, dass der Arbeitsmarkt nur Teilzeitbeschäftigungen bereithalte oder dies vom Arbeitgeber so gewünscht sei. Dieser Befund weist auf zweierlei hin: Bei vielen Erzieherinnen, die bereits Familie haben, stimmen Nachfrage und Angebot überein. Ihnen kommt Teilzeitarbeit privat entgegen. Für diejenigen jedoch, die (noch) keine eigene Familie haben oder auf das Einkommen aus einer Vollzeiterwerbstätigkeit angewiesen sind, scheint es zunehmend schwieriger zu werden, den Lebensunterhalt durch den Erwerb aus ihrem Job zu sichern.

Zufrieden – trotz Belastung
Erzieherinnen haben vielfältige Anforderungen in ihrem Arbeitsalltag zu bewältigen. Sie gestalten die Beziehungsarbeit mit den Kindern, stehen einerseits unter „Beobachtung“ der Eltern und versuchen andererseits, familiäre Defizite durch Zuwendung und Förderung auszugleichen. Sie kooperieren mit internen und externen Partnern und sind zunehmend mit Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben befasst. Daneben spielen auch die räumlich-materiellen Gegebenheiten sowie die Arbeitsteilung innerhalb einer Institution, die vorhandenen Möglichkeiten der Partizipation für den Grad der Arbeitsbelastung und -zufriedenheit eine Rolle.

Zu schaffen macht den Frühpädagoginnen vor allem der ständige Zeit- und Personalmangel sowie der hohe Geräuschpegel in den Gruppenräumen. Dass ihnen ihre Arbeit trotzdem Spaß macht, lässt sich nicht zuletzt daran festmachen, dass sie sich durch die Beziehungsarbeit mit den Kindern kaum belastet fühlen. Auch den Kontakt zu den Eltern erleben sie als wenig stressig.

In den meisten Fällen wird das Arbeitsklima in den Kindertagesstätten als gut beurteilt, es helfe, die Arbeitsaufgaben zu bewältigen: Man könne sich auf Kollegen und Leitung verlassen und unterstütze sich gegenseitig, äußern die Befragten. Positiv bewerten sie auch, dass sie sich ausreichend über alle wichtigen Geschehnisse in ihrer Einrichtung informiert fühlen und an der Gestaltung des Arbeitsalltags sowie der Konzeption mitwirken können. Trotz zum Teil schwieriger Arbeitsbedingungen sind die Erzieherinnen und Erzieher mit ihrer Tätigkeit zufrieden: Ihre Arbeit sei vielseitig und fordere sie mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, sie könnten selbstständig arbeiten und hätten Einfluss auf die Arbeitszuteilung.

Innovationsfreude
Der Bereich der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung erfährt in letzter Zeit eine hohe öffentliche und politische Aufmerksamkeit. Er befindet sich in einem umfassenden Veränderungsprozess. Stichwort: Einführung von Bildungs-, Erziehungs- oder Orientierungsplänen der Bundesländer. Hierfür zeigt die Kita-Landschaft eine große Innovationsfreude. Die meisten Erzieherinnen berichten davon, dass in ihren Einrichtungen bereits an der Umsetzung der Bildungspläne gearbeitet wurde bzw. wird. Am häufigsten werden die Einführung von Bildungsdokumentationen und die Veränderungen des Angebots in inhaltlicher und methodischer Hinsicht – z. B. neue Lerngebiete und Bildungsbereiche oder Projektarbeit – genannt. Danach folgen als Neuerungen die Einführung oder Ausweitung der Schulvorbereitung sowie der Aufbau oder die Intensivierung von Kooperationsbeziehungen mit Schule, Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen. Frühpädagogen, die angeben, dass der Bildungsplan bislang in ihren Kitas nicht realisiert worden sei, nennen als Gründe dafür vor allem fehlende Fortbildungsmöglichkeiten, Zeit- und Personalmangel sowie fehlendes Fachwissen.

In der Regel haben die Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen einen einschlägigen Fachschulabschluss absolviert. Nicht wenige haben sich trotz Hochschulzugangsberechtigung für diesen Ausbildungsweg entschieden. Der Anteil der an Hochschulen ausgebildeten Fachkräfte in Kitas ist niedrig und erreicht lediglich bei den Leiterinnen einen nennenswerten Anteil. Die Befragten haben jedoch häufig eine Zusatzausbildung abgeschlossen.

Solche Qualifikationen decken ein breites thematisch-inhaltliches Spektrum ab. Sie reichen von managementbezogenen Themen über Beratung/Therapie bis hin zu pädagogischen Methoden und Verfahren.

Die Weiterbildungsbereitschaft unter den Erzieherinnen und Erziehern ist hoch: Sie informieren sich über aktuelle Themen und werden von den Einrichtungen in ihren Fortbildungsaktivitäten unterstützt.

Irritierend ist, dass fast die Hälfte der Befragten angibt, dass Berichte über besuchte Fortbildungen in Mitarbeiterbesprechungen keine, hingegen allgemeine Verwaltungs- und Organisationsfragen eine große Rolle spielen.

Die Anhebung der Erzieherausbildung auf Hochschulniveau stößt auf keine allzu große Zustimmung. Nur ein kleiner Teil ist an einem berufsbegleitenden Studium „frühkindliche Bildung“ interessiert. Warum das so ist, darüber gibt die Befragung keine konkreten Antworten.

Die Anmerkungen der Erzieherinnen deuten jedoch darauf hin, dass sie die Fachschulausbildung aufgrund einer gelungenen Verknüpfung von Theorie und Praxis schätzen bzw. im Umkehrschluss befürchten, eine Hochschulausbildung könne zu theoretisch ausgerichtet sein. Aus Sicht der Befragten machen zudem zahlreiche Fortbildungsangebote ein Studium überflüssig. Vor allem Ältere sind der Meinung, ein zusätzliches Studium lohne sich nicht mehr für sie. Dementsprechend ist die Akzeptanz eines berufsbegleitenden Studiengangs bei den älteren Erzieherinnen deutlich geringer als bei ihren jüngeren Kolleginnen, die sich von einem Studium bessere Berufschancen versprechen.

Kirsten Fuchs-Rechlin,
(Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund DJI/Universität Dortmund)

/ zum Seitenanfang