Startseite


 
 
 
 
 
 
 
 
06.07.2012

Deutsch-Britisches Gewerkschaftsforum

Anfang Juli trafen sich zum elften Mal deutsche und britische Gewerkschafter in London, um über Themen gemeinsamen Interesses zu beraten. Ein Schwerpunkt war die Zukunft der Jugend in Europa. Die GEW-Kollegin Barbara Geier berichtet darüber.

'Das Mitbestimmungsrecht ist das Geheimnis und die Grundlage des deutschen Wirtschaftserfolgs'. Dies ist ein Fazit, das Tim Page vom britischen Gewerkschaftsbund TUC (Trades Union Congress) aus seiner Studie bei Siemens, VW und BMW den Teilnehmern des elften deutsch-britischen Gewerkschaftsforums in London vorstellte, die der britische Gewerkschaftsbund unter dem Titel 'German Lessons' veröffentlicht hat. Diese Aussage konnte aber nicht die einzige Antwort auf den anspruchsvollen Titel des traditionellen deutsch-britischen Gewerkschaftstreffens sein, das jährlich von TUC, DGB, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung veranstaltet wird: 'Ein neuer europäischer Weg für ein fantasievolles wirtschaftliches Wachstum. Investition in Jugend und Innovation'.

Unter Thatcher wurden die britischen Gewerkschaften entmachtet. Zugleich wurden der Arbeiterschaft in den achtziger Jahren durch den Niedergang des Bergbaus und der gesamten Automobilindustrie sowie eines Großteils des produktiven Gewerbes ihre Arbeitsgrundlage entzogen. Diese Fakten sind für das historische Bewusstsein wichtig, helfen jedoch nicht eine Lösung für die weltweite Herausforderung von Wirtschaftsstrategien und Arbeitsprozessen zu finden.

In den Vorträgen von Prof. Ramirez von der Universität Sussex und von Prof. Rauner von der Universität Bremen wurde stark die Notwendigkeit hervorgehoben in Ausbildung und Weiterbildung zu investieren. Ramirez zitierte eine OECD Studie , die nachweist, dass eine Stunde mehr Aus- und Fortbildung pro Arbeiter eine Erhöhung des BIP um 0,5% bedeutet. Rauner legte leidenschaftlich dar, wie dumm es sei, einer 'learning by doing'-Mentalität anzuhängen. Eine berufliche Handlungs- und Gestaltungskompetenz erfordert eine hohe Qualität beruflicher Ausbildung. Tom Wilson, der Direktor von der TUC Organisation 'unionlearn' und Hermann Nehls der für Ausbildung Zuständige des DGB fassten das Treffen in 10 Punkten zusammen.

  1. Wir brauchen eine innovative Strategie, in der wir den Prozess und den Weg beeinflussen können.
  2. Wissen: der Unterschied zwischen Dienstleistung und Produktion ist künstlich (51% des Wirtschaftsaufkommens stammen aus der Produktion)
  3. Wissen: ist ein informelles, kollektives Lernen. Man muss wissen: WAS, WIE, WARUM?
  4. Modernisierung: Innovation ist wichtig in prekären Jobs. Verhandlungen mit Arbeitgebern über nachhaltige Jobentwicklung. Einfluss der Gewerkschaften.
  5. Standards: müssen hoch sein, keine Entwertung.
  6. Deutschland: hoher Standard im dualen System. UK: steiniger Boden durch die schwierige historisch/soziale Entwicklung der letzten 20/30 Jahre. Wir brauchen gemeinsame Kriterien für Minimumstandards innerhalb der EU .
  7. Von unten anfangen: verlässliche Partner für die Jugend finden. Ein politisches Klima schaffen, in dem soziale Partnerschaft als grundlegend und natürlich angesehen wird.
  8. in Ausbildung investieren: der Streichung von Jobs und den Sparprogrammen entgegenwirken.Rezession: Basisausbildungsangebote für schwer zu Vermittelnde: 'aus der Rezession hinaus ausbilden'
  9. Grundübereinkommen zu: Ausbildung, Weiterbildung, Lohn, Pension, Urlaub
  10. Europäische 'skill' Strategie: Gewerkschaften, Sozialpartner, EU-Kommission. Soziale Mobilität fördern. Europäische Ausbildungsprogramme fördern

Das zwölfte deutsch-britische Gewerkschaftsforum wird turnusgemäß 2013 wieder in Deutschland stattfinden - mit großer Wahrscheinlichkeit in Hamburg.

Britische Bildungsgewerkschaften und GEW demonstrieren gemeinsam in London dagegen, dass Arbeitnehmer die Kosten der Finanzkrise zahlen sollen.

Text: Barbara Geier
Fotos: Manfred Brinkmann

/ zum Seitenanfang