Startseite


 
 
 
 
 
 
 
 
24.05.2012

Bildungsproteste in Spanien

Rund eine Millionen Menschen haben in Spanien an Streiks und Demonstrationen gegen die von der konservativen Regierung geplanten Kürzungen bei der Bildung teilgenommen. Es waren die größten Bildungsproteste seit Ende der Franco-Diktatur.

Mit massiven Einsparungen bei Schulen und Hochschulen reagiert die konservative spanische Regierung auf die Schulden- und Wirtschaftskrise des Landes. Um drei Milliarden Euro – mehr als zwanzig Prozent - soll der Bildungshaushalt gekürzt werden. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt soll bis 2015 auf 3,9 Prozent sinken - zwei Prozentpunkte unter dem Durchschnitt OECD-Länder. Das Sparpaket sieht größere Klassen, weniger Lehrer, geringere Bezahlung, höhere Studiengebühren, Streichung von Forschungsgeldern und Einschnitte bei staatlichen Stipendien vor. In der Oberstufe sollen statt bisher 30 Schülern zukünftig Klassenstärken von bis zu 47 Schülern zulässig sein. Die spanischen Gewerkschaften befürchten, dass im Zuge der Sparmaßnahmen rund 100.000 Stellen im Bildungsbereich gestrichen werden. Schon jetzt hält Spanien mit einer Arbeitslosigkeit von 24 Prozent den Spitzenplatz in der Europäischen Union – Tendenz weiter steigend.

Unter dem Motto „Die Bildung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition“ hatten die spanischen Bildungsgewerkschaften, unterstützt von Eltern, Schülern und Studenten, in dieser Woche zu Streiks und Protestaktionen gegen die Regierungspolitik aufgerufen. Der Großteil der staatlichen Schulen und Unversitäten blieb am Dienstag geschlossen. Achtzig Prozent der Lehrkräfte folgten nach Gewerkschaftsangaben dem Streikaufruf. Besonders empört die Menschen, dass nur an öffentlichen Schulen gespart werden soll, während staatlich subventionierte Privatschulen von den Kürzungen verschont bleiben. Rund eine Million Menschen beteiligten sich landesweit an den Protestaktionen. Allein in Madrid und Barcelona gingen jeweils etwa 100.000 Menschen auf die Straße.

José Campos, Generalsekretär der größten spanischen Bildungsgewerkschaft FECCOO, befürchtet einen Rückfall in das Bildungssystem der Franco-Diktatur: „Was in 30 Jahren aufgebaut wurde, soll jetzt zerstört werden.“ Campos forderte von der Regierung die Rücknahme der Kürzungen und die Bereitschaft zum Dialog mit den Gewerkschaften. „Der Ball liegt jetzt beim Bildungsministerium.Wir sind zum Gespräch bereit.“ Für Juni haben die spanischen Gewerkschaften weitere Protestaktionen angekündigt.

In mehr als siebzig spanischen Städten fanden Demonstrationen und Protestaktionen statt.

Text: Manfred Brinkmann
Fotos: FECCOO

/ zum Seitenanfang